Mehr Lebensfreude erlangen: Hand in Hand mit dem Inneren Kind

Hast du manchmal das Gefühl, einen tristen und verregneten Novembertag in deinem Inneren zu tragen? Laute Musik, ein Serienmarathon und die leckerste Eiscreme auf dieser Welt können diese negativen Emotionen nur für eine kurze Dauer verdrängen. Denn früher oder später wirst du wieder an die unschönen Gefühle herangeführt. Wenn du dich diesen Emotionen stellen und sie in Lebensfreude verwandeln möchtest, kannst du eine Mentaltechnik anwenden, die ich dir im Folgenden vorstelle.

Als ich kurz vor dem Abitur stand, ergriff mich die Panik. Was möchte ich studieren? Ich rannte durch die Gegend, holte mir hier einen Flyer und ging dort zu einem Beratungsgespräch. Ich wünschte mir, einen kurzen Blick in die Zukunft werfen zu können oder zumindest von jemandem gesagt zu bekommen, was ich als nächstes tun sollte. In Momenten der Ruhe überkam mich dann die Angst: Was ist, wenn ich die falschen Entscheidungen treffe und sie womöglich mein Leben lang bereue? Der besagte triste, verregnete Novembertag nistete sich dann in meinem Inneren ein und setzte mich ziemlich unter Stress und Angst. In dieser Zeit entdeckte ich eine ganz bestimmte Technik für mich: Die Arbeit mit dem Inneren Kind. Das ist nun sechs Jahre her und seitdem wende ich diese Mentalübung regelmäßig an. Ich bin zutiefst von der großen Wirkung dieser Technik überzeugt und möchte sie daher gerne mit dir teilen.

 

Was ist das Innere Kind?

In der Psychologie gewinnt die Arbeit mit dem Inneren Kind immer mehr an Bedeutung. Dabei wird angenommen, dass jeder von uns viele positive, aber auch negative Erfahrungen aus der Kindheit in der Gegenwart mit sich trägt. „Das Kind ist unsere instinktive Seite“ (Chopich/ Paul 2012: k.A.) und daher sind all unsere Gefühle, Erinnerungen und Erfahrungen aus unserer Kindheit in ihm gespeichert – sowohl die positiven als auch die negativen. Wenn wir als Erwachsene mit dem Inneren Kind arbeiten, entsteht ein „Gefühl der Ganzheit“ (Chopich/ Paul 2012: k.A.). Die Verdrängung der Thematiken rund um das Innere Kind produziert in uns ein Gefühl von „Konflikt, Leere und Alleinsein“ (ebd.).

Von daher ist es naheliegend, dem Inneren Kind in uns mehr Aufmerksamkeit zu schenken und mit ihm zusammen zu arbeiten.

 

Die enge Zusammenarbeit mit dem Inneren Kind

Für diese Mentaltechnik ist eine enge Zusammenarbeit zwischen dir – also deinem erwachsenen Ich – und deinem Inneren Kind notwendig.

Du hast, genauso wie jeder andere Mensch auf dieser Welt, nicht nur positive Erfahrungen in deiner Kindheit gemacht. Vielleicht lief in deinem Elternhaus nicht alles optimal. Vielleicht haben deine Freunde dich auf eine bestimmte Art behandelt, die dir bis heute noch nachhängt. Oder du hast in der Schule Situationen durchlebt, die dich stark geprägt haben. Tausende Erfahrungen (und vor allem unser Umgang mit ihnen) haben uns zum großen Teil geprägt und uns zu den Menschen gemacht, die wir heute sind. Und zum Teil leiden wir heute unter diesen Erfahrungen. Innere Leere und Einsamkeit sind nur einige der möglichen Konsequenzen.

Indem wir beginnen, mit unserem Inneren Kind zusammenzuarbeiten, können wir die besagten negativen Gefühle in stärkende und aufbauende Emotionen umwandeln. Diese Arbeit kann als die „Fähigkeit zur Selbstfürsorge“ (Bender/ Draksal 2009: 186) betrachtet werden. Bei regelmäßigem Arbeiten mit dem Inneren Kind sind Selbstbestimmtheit, Ausgeglichenheit und Zufriedenheit natürliche Folgen. Dadurch erschaffen wir in uns selbst einen Raum, in welchem es sich immer mehr und mehr lohnt zu verweilen.

“Indem wir beginnen, mit unserem Inneren Kind zusammenzuarbeiten, können wir die besagten negativen Gefühle in stärkende und aufbauende Emotionen umwandeln.”

Die Imagination

Es gibt unzählige Möglichkeiten, mit seinem Inneren Kind zu arbeiten. Und es empfiehlt sich auf jeden Fall, verschiedene Möglichkeiten auszuprobieren. Ich stelle dir zunächst nur eine Technik vor, die ich mitunter am meisten anwende.

Mach es dir auf einem Bett, einem Sofa oder sonsteinem Platz deiner Wahl bequem. Wenn du magst, kannst du Meditationsmusik im Hintergrund laufen lassen. Schließe die Augen und achte zunächst nur auf deinen Atem. Beobachte wie du ein- und ausatmest. Am besten ist es, wenn du einige Minuten ausschließlich deinen Fokus auf dein Atmen lenkst. Denn indem du dich darauf konzentrierst, steigst du aus deiner Gedankenwelt aus und kehrst in die Gegenwart zurück.

Stelle dir im nächsten Schritt einen Ort vor, den du mit deiner Kindheit verbindest. Wenn dir kein spezifischer Ort einfällt, denk dir einfach einen beliebigen Ort aus.

Geh als erwachsene Person an diesen Ort zurück und begegne deinem kindlichen Ich.

Lass dich, soweit es geht, auf die Situation ein und schau dich ganz aufmerksam in deiner Umgebung um. Wie sieht dein kindliches Ich aus? Was trägt es für Kleidung? Was tut es? Was für einen Eindruck vermittelt es?

Nähere dich im nächsten Schritt deinem Inneren Kind und sei einfach da.

Versuche, nicht über das Kind zu urteilen und seine Aktivitäten oder seine emotionale Lage zu bewerten. Gib ihm stattdessen das Gefühl, dass du es so akzeptierst und liebst, wie es ist.

 

Möglichkeiten, um den Erstkontakt mit dem Inneren Kind einfacher zu gestalten

Gerade dann, wenn du diese Mentaltechnik zum ersten Mal ausprobierst, kann es dir sehr schwerfallen, dich darauf einzulassen. Daher kann es durchaus hilfreich sein, wenn du dir bestimmte Fragen stellst, um die erste Kontaktaufnahme mit deinem Inneren Kind leichter zu gestalten. Du kannst es beispielsweise fragen:

  • Was machst du gerade?
  • Wie fühlst du dich?
  • Wie geht es dir?
  • Was bedrückt dich?
  • Darf ich dir etwas Gutes tun?

Schenke deinem Inneren Kind in dieser imaginären Situation deine volle Aufmerksamkeit und erfühle (soweit es geht) in welcher Lage es sich befindet und wie es ihm geht. Zeig ihm, dass du präsent bist und dich über das Wiedersehen freust. Wichtig ist, dass du im Gefühl bleibst. Versuche nicht, rationale Antworten zu geben, sondern lasse intuitiv deine Gefühle – verkörpert durch dein inneres Kind – sprechen.

Denke nicht darüber nach, welcher Schritt als Nächstes folgen sollte, sondern lass es einfach geschehen.

Du kannst auch dein Inneres Kind in den Arm nehmen oder ihm beruhigende, aufbauende Dinge sagen. Beispielsweise kannst du ihm sagen:

  • Ich habe dich lieb.
  • Du bist ein wunderbares Kind.
  • Ich liebe dich so, wie du bist.
  • Du darfst albern, spontan, verspielt und lebendig sein.
  • Du darfst deine Gefühle auf die Art und Weise ausdrücken, wie es für dich am besten ist.
  • Ich bin für dich da.
  • Du bist in Sicherheit, denn ich werde immer da sein und für dich sorgen.

Die Zusammenarbeit mit dem inneren Kind kann, zumindest die ersten Male, sehr schmerzhaft sein. Doch gleichzeitig ist es sehr befreiend. Und garantiert bringt es dich in deiner Persönlichkeitsentwicklung weiter. Davon bin ich überzeugt. 

Seitdem ich mein Inneres Kind regelmäßig besuche, erlebe ich immer seltener die grauen und tristen Novembertage in meinem Inneren. Machen sich jene Tage wieder bemerkbar, trete ich wieder die innere Reise an. Natürlich ist diese Übung nicht die einzige, die ich ausführe. Sie ist aber mitunter eine der Effektivsten.  

Hast du bereits mit deinem Inneren Kind zusammengearbeitet? Ich freue mich sehr, wenn du deine Erfahrung in die Kommentare schreibst.

 
Literaturangabe und Bildquellen

Bender, Claudia/ Draksal, Michael (2009). Das Lexikon der Mentaltechniken. Die besten Methoden von A bis Z. Leipzig: Draksal Fachverlag.

Chopich, Erika/ Paul, Margaret (2012). Aussöhnung mit dem inneren Kind. 28. Aufl., Freiburg im Breisgau: Ullstein.

Foto von Alexandr Podvalny, auf pexels.com

Foto von unclelkt, auf pixabay.com

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